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Deutsche Debatte und Realitätsverweigerung – alle mal aufwachen, bitte!

T-Online lässt es heute krachen. Von Beginn an und erst recht nach Beendigung der nervenzerfetzenden Lektüre stellten sich seltsame Gedanken wenn nicht Gefühle bei mir ein.

So ganz unrecht hat der Florian, Harms die Edelschreibe eigentlich gar nicht. Zumindest in Teilen drängt sich einem der Eindruck auf, er hätte die letzten Tage mal kurz auf dem Propagandamelder vorbeigeschaut. Und sein Resumée – Zitat: „Man kann es sich in seinem Weltanschauungsstübchen gemütlich machen und die Vorhänge zuziehen, damit man die wirklich großen Probleme nicht sehen muss.“ – dürfte zumindest auf den Großteil der hier immer noch lebenden hier Gezeugten zutreffen. Falsch liegt er auch nicht mit seinem „Alle mal aufwachen, bitte!“, ob er allerdings auch daran gedacht, dass in aller Regel nach dem „Aufwachen“ auch das „Aufstehen“ kommen sollte, eher wohl müßte?

Klar, wir können, wir müssen wohl davon ausgehen, dass der gute Mann mit seinem „Erguss“ genau das um 180° Gewendete erreichen wollte, von dem was hier so abgeht. Aber trotzdem: wie kam denn die totale Realitätsverweigerung zustande, wer hat sie bestellt, wer sie gefördert und ohne Unterlass gefordert: Fördern und Fordern, nur eben anders.

Vierzehn Jahre Nickercken auf der Schlafcoach mit Frau Merkel-Mikado, nur einmal kurz alle Fenster aufgerissen, damit frische Luft hereinkommen konnte, was sie allerdings auch schaffte. Eine große Kanzlerin sei sie, so hieß und heißt es allerorten, seit gut 13 Jahren und gefühlt ein Paar zerquetschten dazu. Sowieso, alle schwarzen Kanzler sind groß, abgesehen von König Silberzunge mutmaßlich, nicht zu vergessen der in Ungnade gefallene Schöpfer des Wirtschaftswunders. Immerhin, zusammen brachten sie auch sieben Jahre auf die Waage. Groß war auch Helmut, von dem einst Soze Wehner blaffte, Kohl bläht und treibt schwarze Dämpfe ins Gehirn. Dieser große Kanzler wollte auch was schaffen, die geistig-moralische Wende nämlich, als er zu seiner sechzehnjährigen Amtszeit antrat. Mit verdammt viel Glück verschaffte ihm der Weltenherrscher ad personam Amigo Bush der Ältere nebst seinem thinktank der Centralen Intelligenz Agentur die Gelegenheit zu einem Gesangsvortrag – gemeinsam mit Willy und anderen – auf dem Balkon des Roten Rathauses. Und schon war er der Einheitskanzler, für ewige Zeiten, die eine Wende durch eine andere ersetzt. Was im Land von Bush I. einst der Wilde Westen war, war der Wilde Osten. Was für Jagdgründe für die Treuhand und die mit dem großen Sparstrumpf, rückgeführte Wigwams zuhauf, selbst Skalps wurden reichlich eingefahren. Blühende Zeiten!

Kumuliert stehen wir also bei 14+16+7, also 37 Jahre Aufenthalt im Schlaflabor. Da fehlen nur noch die zwölf Jahre vom Eisernen Kanzler Konrad, ein Meister seines Fachs. Konnte er doch die Knappen, jedenfalls die die übrig geblieben waren und das waren derer reichlich, von seinen Vorgänger so gut wie unversehrt ins vierte Reich rüberschleppen. Nun gut, einige die es besonders tüchtig getrieben hatten, hatte man aufgeknüpft, meistens galt aber der gute alte Grundsatz: die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen. Und selbst das war noch zu toppen. Man stellte sie auch noch ein, damit sie in Justiz, Verwaltung und Regierungsapparat für ihre restlichen Jahrzehnte ihre skills einbringen konnten bei der Verfolgung ihrer eigenen Untaten.
Deswegen hören wir bis heute immer noch was für ein toller Hecht der Konrad gewesen sei. Dass er – ob auf Anweisung der neuen Freunde von overseas oder nicht, egal – mit seinem unermüdlichen Bemühen, Brüder und Schwestern im Osten bei denen im Westen madig zu machen, ihnen vierzig Jahre Aufenthalt im Reservat übergebraten hat? Wo gehobelt wird, fallen Späne, wird sich der aus Adenau gesagt haben.

Da wären noch ein paar Jährchen dazwischen? Nun, die Goldenen Zwanziger sind es zwar nicht gewesen bzw. geworden unter (?) einem sozialdemokratischen Kanzler, man bedenke aber, dass sich in diesen Jahren wenigstens ab und an etwas bewegt, etwas gerührt hat. Weswegen der politisch Aufmerksame im Rückblick auf die Idee kommen könnte, dass die schwarze Staatspartei ihrer beiden Fehltritte überdrüssig, die nächsten Male den Sozen die Schmutzarbeit der nicht mehr aufschiebbaren „Reformen“ überließ, man konnte dann ja immer wieder „basta“ sagen, wenn es zuviel wurde und ein geeignete(r) Kandidat(in) reif zur Übernahme war. Jeder, der nicht zur Elite gehört denkt jetzt natürlich angewidert an Agenda 2010 und Hartz IV, stimmt. Aber so schlecht ist die Strecke „sozialdemokratischer Reformen“ in dem genannten kurzen Zeitfenster auch wieder nicht, man denke nur an die Abschaffung von so manchem Überflüssigen, Ladenschusszeiten bspw. oder das Arbeitsverbot von Ehefrauen ohne Ehegattengenehmigung. Auch das Schleifen des Schwulenparagraphen kam gerade noch rechtzeitig und selbst die erste Nutzanwendung übernahmen die von der SPD, obwohl Schwarzgelb schon stärker danach gelechzt hatte, damit der Karriere weiterhin nichts mehr im Wege stand. Genug, auch wenn es noch mehrere solcher Schwänke zum Erzählen gäbe.

Und jetzt stehen wir heuer also da, wo auch die meisten Wildwestfilme enden, der Held reitet in die untergehende Sonne, dem Betrachter schon das eingezogene Genick darbietend. Dass er darob neulich ins Zittern kam war bisher allerdings noch nicht vogekommen. Aber immerhin, die Heldin hat es geschafft, dass so etwas wie in den letzten Sechz’gern mit Ludwig oder Kurt nicht mehr vorkommen kann. Und Rös’chen und s’Annegretsche sind nicht mal böse. Also geht doch!Wie es die Sozen geschafft haben, keinesfalls als Notnagel zur Verfügung zu stehen dieses Mal, alle Achtung. Etwas Bess’res als den Tod finden wir allemal, werden sie sich gedacht haben und wenn es die Fünf-Prozent-Hürde sein sollte. Ob allerdings eine Habock und ein Baerbeck so nach- und ganzheitlich die Arbeit zur vollsten Zufriedenheit – wie die Sozen immer – übernehmen werden können, ist so unstrittig nicht.

Ob dem, was Helmut vom Saumagen anno 1991 noch mit schlappen sechzehn Milliarden (Dollars, nicht wie er angenommen hatte D-Mark, damals hieß das noch was bei einem Umrechnungskurs vom drei- bis vierfachen) verhindern konnte, die Teilnahme am Wüstensturm nämlich ganz in der Nähe vom heutigen Hormuz, was Geeerd mit einem derben Basta 2003 wegbügelte, die Teilnahme am grünen Himmel über Bagdad nebst Aufknüpfen des Schurken Saddam, ein Robert H. entgehen kann, den Ayatollahs in Isfahan den Turban vom Kopf zu ziehen nämlich, darf bezweifelt werden, stimmt, auch das wäre nämlich eine absolute Realitätsverweigerung. Ein Imperator mag es nicht, wenn Vasallen aufwachen, schon gar nicht wenn sie aufstehen. Statthalter in Ost-Rom haben zu kuschen, sonst nichts.

Was daran jetzt Propagandameldung war? Nun, ab und an muß auch mal über die Folgen einer permanenten und exzessiven Propaganda gesprochen werden. Sonst begreift das schlafende Volk nie, warum es zu schlafen hat!

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